Warum wir uns ekeln
Passend zu Dirks Beitrag am Donnerstag (Studentenklo) will ich heute der Frage nachgehen, warum wir das eigentlich eklig finden, sobald unsere Studentenzeit vorbei ist.
Ekel ist eine der elementarsten Emotionen des Menschen. “Er aktiviert ein automatisches Rettungsprinzip”, behaupten Ekelforscher. Mit all seinen Begleiterscheinungen wie Unwohlsein, Brechreiz und Würgegefühl hält er uns auf Abstand vor Dingen, die unserer Gesundheit gefährlich werden könnten, wie etwa Fäkalien, Erbrochenes oder Verfaultes.
Kleinkinder haben noch keine Hemmungen, in ihrer Kackawurst zu puhlen oder sich komische Dinge in den Mund zu stecken. Die Fähigkeit, Ekel zu empfinden, ist zwar angeboren, Ekelgefühle werden jedoch erst im Laufe der ersten Lebensjahre erworben. Die Kleinen gucken bei den Großen ab und die lassen sich nicht nur von ihrer Kultur, sondern auch von gängigen Moden beeinflussen. Beispiel: im Mittelalter fand niemand es eklig, sich mit den Händen zu schneuzen und den Rotz anschließend an der Kleidung abzuwischen, weil es keine Taschentücher gab. Und vor wenigen Jahrhunderten herrschte in vielen Großstädten ein entsetzlicher Gestank nach Kot und Urin, weil jeder sein Geschäft in der Öffentlichkeit verrichtet hat.
Was genau läuft im Gehirn ab, wenn wir Ekel empfinden? Psychologen der Universität Gießen haben folgendes herausgefunden: Beim Anblick ekliger Dinge wird das limbische System - von dort wird emotionalen Verhaltens generell gesteuert - besser durchblutet als der Rest des Gehirns. Den Beweis liefert auch eine umgekehrte Beobachtung: Menschen, bei denen Teile des limbischen Systems durch Verletzung oder Infektion zerstört wurden, empfinden keinen Ekel mehr: es gibt Berichte über Hirn geschädigte Patienten, die mit Genuss verdorbene Milch trinken. Die Sinnesempfindungen kommen zwar noch an, doch das limbisches System reagiert darauf nicht mehr mit Ekel. Auch Chorea-Huntington-Patienten ist Ekel fremd.
Ekel lässt sich auch bei gesunden Menschen abtrainieren, zum Beispiel durch Gewöhnung. Das ist ganz praktisch für Mediziner, Pflegekräfte oder Leichenbestatter.
Interessant finde ich auch, was Sigmund Freud erkannt hat: Lust und Ekel stehen in einem seltsamen Verhältnis zueinander. Eigentlich möchte man sich abwenden, aber die Lustgefühle verdrängen den Ekel.
(Quelle: Stern, 2007)
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Gekackt von Britt am 9. August 2008 um 05:20 Uhr.
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Stichworte: hygiene, psyche, verhalten





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