Von Hottentotten, Schönheitsidealen und Freakshows

Jede Gesellschaft und jede Epoche hat ihre eigenen Schönheitsideale. Einige können wir aus der heutigen Sicht nachvollziehen, andere erscheinen uns fremd und komisch. Was diese Einleitung soll? Nunja, ich möchte damit das Schönheitsbild des Volkes der Khoi Khoi vorstellen, die im südwestlichen Afrika während der sogenannten Kolonialzeit lebten. Die Khoi Khois wurden von den Holländern diskriminierend als auch Hottentotten (“Stotterer”) bezeichnet, was vermutlich an deren Sprache mit Klick- und Schnalzlauten lag.

Ein unter den Frauen der Khoi Khoi verbreitetes Phänomen ist die Steatopygie. Das ist die Bezeichnung eines anthropologischen Merkmals, das das Auftreten eines mächtigen Gesäßes bei Frauen beschreibt, verbunden mit einer starken Krümmung der Wirbelsäule nach innen, also in die Bauchhöhle hinein. Das ausufernde Hinterteil der Damen ist aber keine Fettansammlung, sondern der sich stark entwickelte Oberschenkel. Es handelt sich also um Muskeln.

Bei den Khoi Khois galten Frauen mit besonders mächtigem Gesäß als Schönheitsideal.

links: Illustration aus "Polish Orgelbrand's Encyclopedy" (1900); Mitte: Zeichnung unbekannter Herkunft; rechts: Fotografie unbekannter Herkunft

Als Hottentot-Venus (französisch Vénus hottentote) gelangte Sarah Baartman (* etwa 1789; † 29. Dezember 1815) in Europa zu großem Ruhm. Sie gehörte den Khoi Khoi an und arbeitete Anfang des 19. Jahrhunderts als Hausmädchen eines Buren in Südafrika, bis sie nach Europa gebracht und dort wegen ihres extrem gut entwickelten Gesäßes als Hottentot-Venus in einer Wanderausstellung ausgestellt wurde. Laut eigener Aussage tat sie das freiwillig und war mit der Freakshow freier, als in ihrem Leben in Südafrika.

links: Sarah Baartman; rechts: Karikatur

Später in Paris stellte sie sich als Wissenschaftsobjekt zur Verfügung und als sie dort an einer Lungenentzündung verstarb, wurde ein Gipsabdruck ihres Körper angefertigt und zusammen mit ihrem Skelett im Muséum national d’histoire naturelle (heute Musée de l’Homme) ausgestellt.

Lange forderte der südafrikanische Präsident Nelson Mandela die Herausgabe der sterblichen Überreste von Sarah Baartman. Im Jahr 2002 wurden sie endlich aus Paris überführt und Sarah wurde feierlich in ihrer Heimat beigesetzt. Der Gipsabdruck der Vénus hottentote ist weiterhin im Musée de l’Homme ausgestellt.

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Gekackt von Dirk am 18. Oktober 2010 um 07:02 Uhr.
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Es wurden schon 2 Kommentare gekackt.

  1. rebhuhn kackte am 18.10.2010 um 15:59 Uhr:

    interessante info :) ! besonders beeindruckend finde ich das foto, weil man wirklich gut sehen kann, daß es kein fett ist, sondern muskeln sind…

  2. Dirk kackte am 18.10.2010 um 16:43 Uhr:

    @rebhuhn: Ja, stramme, standfeste Muskeln. Und deshalb trugen die Khoi Khoi damals auch noch keine Hosen. Heutzutage gibt’s Beinkleider ja in allen Varianten (vergleiche ).

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