Tour de Toilette durch Berlin

Anna Haase ist das, was man ein “Berliner Original” nennt. Und sie ist Fremdenführerin. Einmal im Monat bietet Anna die Tour de Toilette durch Berlins stille Örtchen an. Sie erzählt dabei Geschichten rund um die jahrhundertealte Berliner Hygiene- und Toilettenkultur. Der Treffpunkt zur Tour ist stilecht am Café Achteck, dem grünen Toilettenhäuschen auf dem Gendarmenmarkt.

Im Café Achteck, entworfen von Carl Theodor Rospatt Ende des 19. Jahrhunderts, gab es damals sieben Stehpissoirs. Frauen durften noch nicht öffentlich müssen. Heute ist das anders und so befinden sich im Inneren eine Damen- und eine Herrentoilette. Die Benutzung kostet nichts. Anders beim High-Tech- gegenüber: Erst nach dem Einwurf von 50 Cent öffnet sich eine Schiebetür zum grell beleuchteten Örtchen. Für sein Geld darf man ruhig etwas erwarten, erzählt Anna. Sie habe sich beim Betreiber mal über die mangelnde Sauberkeit eines solchen Häuschens beschwert und bekam prompt die 50 Cent per Post zurück.

Für Anna Haase sind Toiletten Ruhepunkte in der hektischen Großstadt und aus diesem Gedanken entstand die Idee für ihre Tour. Anfangs wurde sie von Gästeführerkollegen angefeindet, das Thema sei anrüchig und unästhetisch. Doch sie hielt mutig dagegen: Es ist es wichtig, auf die hohe Stufe der Toilettenkultur in unserer Gesellschaft hinzuweisen, und darauf, dass es nicht selbstverständlich ist, eine Toilette in jeder Wohnung zu haben oder auf Fernbahnhöfen duschen zu können. In anderen Ländern ist das schließlich oft undenkbar.

Die dicke Mappe unter Annas Arm ist vollgestopft mit Bildern und Zeitungsartikeln. Auch Fotos von verdreckten Toiletten zeigt sie herum, dass einem beim Anblick des Schildes mit der Aufschrift “Verlasse diesen Ort so, wie du ihn vorzufinden wünschst”, spontan nur eine Komplettsanierung einfällt. Ganz anders ist das an der nächsten Station, der McClean-Toilette im Bahnhof Friedrichstraße. Was immer an Hygieneartikeln benötigt wird, kann im integrierten Shop erworben werden und zeitgemäß gibt es hier Baby-Wickeltische, auch auf der Herrentoilette.

Wo der Kaiser zu Fuß hinging, sieht man später im Kaisersaal am Potsdamer Platz. In den Toilettenräumen Kaiser Wilhelms II. sind Wände, Waschbecken und die Marmorpissoirs originalgetreu restauriert. Weniger original hingegen ist das Klohäuschen am KaDeWe. Einst war es eine der am besten besuchten Toiletten der Stadt, jetzt wird darin eine Pizzeria betrieben.

Wer jetzt alles ganz genau wissen will: Nächste Tour am Samstag, 13. Dezember 2008, 17 Uhr. Treffpunkt Gendarmenmarkt, Café Achteck rechts neben dem Französischen Dom!

(Quellen: www.annahaase.de und gedruckter Tagesspiegel)

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Gekackt von Britt am 17. November 2008 um 05:58 Uhr.
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Es wurden schon 2 Kommentare gekackt.

  1. Kultur Berlin kackte am 09.01.2011 um 23:00 Uhr:

    Endlich nimmt sich mal jemand dieser architektonischen Schönheiten mit echtem Nutzwert an. Wer schon mal mit einem dringenden Bedürfniss vor einer modernen Stadtmöblierungs-Toilette stand und kein Kleingeld bei hatte, lernt das Cafe Achteck erst richtig zu schätzen!

  2. Heinz kackte am 23.10.2011 um 23:35 Uhr:

    Na so ganz aktuell ist das Datum der nächsten Führung ja nicht!

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