Stuhlgang

Mit dem Stuhlgang ist es so ähnlich wie mit dem Kotflügel. Beides sind Begriffe aus früheren Zeiten, die wir zwar fast täglich benutzen, aber oft ohne ihre wahre Bedeutung zu kennen. Stuhlgang, wie der Name schon sagt, meint: auf den Stuhl gehen. Das rührt vom sogenannten Leibstuhl her, meist ein hölzerner Sessel mit einen Loch in der Mitte. In diesem Loch war ein Eimer oder Nachttopf untergebracht. Leibstühle, manchmal auch ganz einfach als Kackstühle bezeichnet, standen im Schlafgemach oder an einem anderen schönen Plätzchen im Haus.
Obwohl Leibstühle schon vom 18. bis ins 19. Jahrhundert hinein sehr beliebt waren, kann ich mich noch gut erinnern, dass im ländlichen Gehöft meiner Großeltern noch in den 70er Jahren des letzen Jahrhunderts solch ein Stuhl seinen Platz hatte. Heute werden Leibstühle hauptsächlich noch in der Kranken- und Altenpflege eingesetzt, oder auch manchmal als SM-Möbel.
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Der österreichische Schriftsteller Aloys Blumauer (1755-1798) verfasste seinerzeit, zur “Hoch”zeit der Leibstühle, ein reizendes pathetisches Gedicht:
Ode an den Leibstuhl
(Das Gedicht fand ich auf www.traumbad.de)
Du kleiner Sitz, von dessen eig’nem Namen
Man mit Respekt nur spricht,
Den täglich doch die ekelste der Damen
Besieht und fühlt und riecht.
Du bist der größte aller Opferherde,
Auf deinem Altar nur
Zollt täglich der galant’re Teil der Erde
Sein Opfer der Natur.
Du bist der Götze, der selbst Majestäten
Ihr Hinterhaupt entblößt,
Der Freund, vor dem sogar sich ohn’ Erröten
Die Nonne sehen läßt.
Erhaben setzt, wie auf den Sitz der Götter,
Der Weise sich auf dich,
Sieht stolz herab und läßt das Donnerwetter
Laut krachend unter sich.
Du bist das wahre Ebenbild der Thronen
Auf diesem Erdrevier;
Denn immer sitzt von vielen Millionen
Ein Einziger auf dir.
Du beutst als Freund den Menschen hier auf Erden
Gefällig deinen Schoß,
Und machest von den drückendsten Beschwerden
Der Menschlichkeit sie los.
Du bist der Heiltumsstuhl, an dem der Kranke
Nie fruchtlos Opfer zollt,
Weil er dafür gewiß mit regem Danke
Sich die Genesung holt.
D’rum, daß du mich dereinst nicht auch als Richter
Verschlingst mit Haut und Haar,
So bring’ ich dir, du Erbfeind aller Dichter,
Das Lied zum Opfer dar.
Gekackt von Britt am 2. April 2008 um 06:56 Uhr.
Stichworte: begriffe, gedichte, historisch, nachttopf, poesie, stuhlgang






Wow.
Die Fliesen an der Wand – der Leibstuhl, der wie ein Ohrensessel ohne Bezug im Zimmer prunkt – und dann noch das gemütliche Kinderbett mit Gatter in der Ecke.
Ich vermisse nur noch den 42´Zoll Flatscreen – dann wäre das mein Traum ;-) von einem Wohnzimmer.
Fernsehen statt lesen! Gute Idee :-) … Aber *flüster* es ist doch kein Wohnzimmer, es ist ein Schlafzimmer.
[...] Hofe besaßen für ihre Toilette spezielle Ankleidezimmer. Dort verrichteten sie auf ihren Leibstühlen auch ihre [...]
Bin erst am Anfang meiner “Bloggerkarriere” – komme gerne wieder vorbei.
http://www.swopper.de/
Unser Alltag ist aber heute zu rund 85 % in der Wachzeit vom Sitzen geprägt. Beim Frühstück, im Fahrzeug, am Schreibtisch, am Arbeitsplatz und sogar daheim in der Freizeit. Dieser Bewegungsmangel ist gesundheitsschädlich und kann oft nicht durch Freizeitsport ausgeglichen werden – der moderne Mensch wird geplagt von Rückenschmerzen, Übergewicht und Herz-Kreislauferkrankungen.
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