Sind Darmbakterien an Fettleibigkeit schuld?

Dicksein wird oftmals mit willensschwach und bewegungsfaul in Verbindung gebracht. Bei einigen mag das zutreffen und auch eine falsche Ernährung spielt eine sehr große Rolle, aber Wissenschaftler in den USA sind da auf etwas gestoßen, was unsere Vorstellungen vom Zu- und Abnehmen über den Haufen werfen könnte.

© christiaaane / PIXELIO

© christiaaane / PIXELIO

Unser Körper nutzt zur Verwertung der Nahrung Billionen von Bakterien, die im Darm ihre Dienste verrichten. Etwa ein Kilogramm trägt jeder davon mit sich herum. Und die amerikanischen Wissenschaftler wiesen nach, dass die Darmflora ganz entscheidend dazu beiträgt, wie die Nährstoffe weiterverarbeitet werden und was davon ausgeschieden oder in Fette umgewandelt wird und sich an bekannten Körperstellen absetzt.

Dabei wurden Experimente durchgeführt, bei denen Mäuse keimfrei und ohne jeglichen Bakterien im Darm gezüchtet wurden. Diese Mäuse konnten tatsächlich große Mengen essen, ohne zuzunehmen. Wurden den Mäusen nachträglich Darmbakterien zugeführt – sie entwickelten also eine Darmflora – nahmen sie in kurzer Zeit zu und nach wenigen Wochen wogen sie genau so viel wie ihre “normalen” Artgenossen. Daraufhin untersuchten die Wissenschaftler die Darmbakterien der dünnen und der dicken Mäuse und stellten fest, dass die Dünnen zahlreiche Bacteroides- und die Dicken Firmicutes-Bakterien hatten. Ähnliche Untersuchungen wurden bereits bei Menschen durchgeführt. Mit gleichem Ergebnis.

Firmicutes-Bakterien, Quelle: SFL ORG and the University of Melbourne, www.sflorg.com

Firmicutes-Bakterien, Quelle: SFL ORG and the University of Melbourne, www.sflorg.com

Die Firmicutes-Bakterien, also die Darmbakterien bei eher dünnen Menschen, sind besonders effizient bei der Verdauung und der Verarbeitung von komplexen Kohlehydraten. Menschliche Verdauungsenzyme können damit wenig anfangen, die Bakterien hingegen zerlegen sie effizient in für uns nahrhafte Zucker- und Fettmoleküle. Dabei werden sie fleißig von anderen Mikroorganismen unterstützt. Und der Kot von Menschen mit diesen Darmbakterien enthält tatsächlich weniger Kalorien als Exkremente aus einem bacteroidetesreichen Darm.

Der nächste logische Schritt wird nun die weitere Erforschung der Ergebnisse und daraufhin die Entwicklung eines Mittels sein, das die Darmflora mit dickmachenden Bakterien in dünnmachende umwandelt. Natürlich unterstützt von viel Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung. Ob damit dem Hängebauchschwein auf dem obigen Foto ein geringerer Körperumfang verschafft werden kann, bezweifle ich allerdings. :mrgreen:

Warum es “Darmflora” und nicht “Darmfauna” heißt und warum eigentlich beide Begriffe falsch sind, könnt Ihr im Artikel Darmflora und -fauna nachlesen.

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Gekackt von Dirk am 9. Januar 2009 um 05:27 Uhr.
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Es wurden schon 6 Kommentare gekackt.

  1. Britt kackte am 09.01.2009 um 09:36 Uhr:

    Das kann ja nur von Amerikanern kommen ;-)
    Aufgabe an Dirk für Deinen nächsten Westküsten-Trip: Analysiere die Ernährungsgewohnheiten eines durchschnittlichen Amerikaners und schließe daraus, warum dieser Mensch womöglich nicht sein Idealgewicht hält.

  2. Dirk kackte am 09.01.2009 um 10:40 Uhr:

    Ich weiß ja, dass eine inzwischen nicht zu verachtende Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung unter Übergewicht leidet und das sicherlich NICHTS mit ihrer Darmkultur zu tun hat. Und auch irgendwelche Pillen mit anderen Bakterien werden da nichts ausrichten.
    Das Essen spiegelt die typische amerikanische Einstellung wider: Groß und schnell muss es sein, dann ist es der American Way of Life. Das geht aus deren Köpfen nicht raus und wird auch bei jedem noch so kleinen Wahlkampf eingesetzt.

  3. Patricia kackte am 09.01.2009 um 21:56 Uhr:

    Sie arbeiten also an der Wunderpille, die man nach dem XXL-Happy-Menü schluckt und dann dünn bleibt. Dann muss keiner auf großes und schnelles Essen verzichten. Die Ausrede, es seinen nur die Darmbakterien schuld, wenn ich zunehme, gefällt mir.

  4. Britt kackte am 10.01.2009 um 01:03 Uhr:

    @Patricia, sorry! Du bleibst irgendwie ständig im Spam hängen :?:

  5. Anja kackte am 17.02.2009 um 11:38 Uhr:

    Also ich denke, dass es immer eine Kombination von vielen Faktoren ist. Nicht jeder Übergewichtige frisst bis zum Umfallen … oft gibt es erblich bedingt Faktoren …

    … genau so wie es Leute gibt, die alles essen können, und schlank bleiben, gibt es andere, die halbwegs normal essen, und trotzdem Gewicht gewinnen … da könnten die Darmbakterien schon auch mitspielen!

  6. Dirk kackte am 17.02.2009 um 12:22 Uhr:

    @Anja: Neenee, nicht “da könnten die Darmbakterien schon auch mitspielen”, sondern da spielen sie mit. Das ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen.

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