Kacken über den Wolken - Petition mitzeichnen
Im Juli berichteten wir über den Rollstuhlfahrer Kay Macquarrie, der die Benachteiligung von mobilitätseingeschränkten Fluggästen bei europäischen Fluggesellschaften anprangert und sich aktiv für Verbesserungen einsetzt. Macquarrie schickte mir gestern eine E-Mail, mit der Bitte seinen Text zu veröffentlichen und ihn bei der Petition, die er beim Deutschen Bundestag eingereicht hat, zu unterstützen.

Demonstration während der ILA 2008 in Berlin
Hier Kay Macquarries unveränderter Text:
Fliegen ist mittlerweile so normal wie Auto- und Bahnfahren - für fast alle Menschen in Europa. Nicht aber für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. So hat diese Zielgruppe auch nach Inkrafttreten der EU-Flugverordnung vom Juli 2008 beispielsweise keine Chance auf Kurz- und Mittelstreckenflügen eine Toilette aufzusuchen.
Europäische Fluggesellschaften - darunter auch die Deutsche Lufthansa - verweigern ihren mobilitätseingeschränkten Passagieren bis heute den Zugang zu einer Toilette. Zwei bis drei Stunden, manchmal sogar länger, wird ihnen zugemutet keine Toilette aufzusuchen. Wer die Frage der Flugbegleiter “Müssen Sie in dieser Zeit eine Toilette aufsuchen?” mit “Ja” beantwortet, kann gleich wieder vom Flieger gehen. Er wird schlichtweg nicht befördert.
Auch bei Vorabanmeldung weigern sich Fluggesellschaften einen sogenannten Bordrollstuhl an Bord mitzuführen. Dieser ermöglicht den Transfer vom Sitzplatz zur Toilette. So antwortet zum Beispiel die Deutsche Lufthansa in einer E-Mail vom 9.1.2008 lakonisch: “In der Tat ist es bedauerlicherweise auch auf Voranmeldung hin nicht möglich, auf Kurzstreckenflügen einen Bordrollstuhl zur Verfügung zu stellen” und versichert zynisch weiter “dass wir alles dafür tun, damit Ihre Reisen reibungslos verlaufen.” Bis heute verweigert die Deutsche Lufthansa eine eindeutige Zusage, dass sie bei Bedarf einen Bordrollstuhl zur Verfügung stellt (Quelle rechtaufklo.de).
Ein Flug, auf dem mehrere Stunden lang keine Toilette aufgesucht und benutzt werden kann, kann nicht “reibungslos” verlaufen und verfehlt zentrale Bedürfnisse der Passagiere. Man stelle sich vor, drei Stunden in einem Fahrstuhl fest zu sitzen - das ist in etwa die Zeit, die die deutschen und europäischen Fluggesellschaften ihren mobilitätseingeschränkten Passagieren zumuten, keine Toilette zu benutzen.
Macquarrie auf Klo im Delta Flugzeug, Foto: Kay Macquarrie
Aus diesem Grund habe ich beim Deutschen Bundestag eine Petition eingereicht, die gestern veröffentlicht wurde und eine sechswöchige Mitzeichnungsfrist (bis 19.12.2008) hat.
Hier registrieren und mitzeichnen:
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=894Vielen Dank für Euer Interesse und Eure Mithilfe und ich hoffe auf viele Mitzeichnende.
Liebe Grüße
Kay Macquarrie
Ich habe gestern Abend noch mit einem befreundeten Purser (leitender Flugbegleiter) gesprochen. Er sitzt natürlich zwischen den Stühlen. Einerseits würde er sofort die Petition mitzeichnen, andererseits wüsste er selbst nicht, was eine Fluggesellschaft tun sollte.
Besonders Kurzstreckenflüge stellen da ein echtes Problem dar. Eine Flugzeit von beispielsweise einer Stunde setzt die Flugbegleiter beim Getränkeservice unter immensen Zeitdruck. Möchte während des Services ein mobilitätseingeschränkter Fluggast auf Toilette, muss der Service abgebrochen, die Wagen bis zur Galley zurückgezogen und abgewartet werden, bis der Fluggast die Toilette wieder verlassen möchte. Da müssen sich die Fluggesellschaften wirklich mal Gedanken machen oder - ähnlich wie bei vielen Stadtbussen - eben einen Extrabereich schaffen, der für Rollis problemlos befahren werden kann und in Klonähe ist, ohne das Flugpersonal bei ihrer Arbeit großartig einzuschränken. Das ist leichter gesagt, als getan und natürlich muss dafür Geld in die Hand genommen werden. Aber diesen Service kann die Fluggesellschaft wiederum sehr gut für eine positive Imagewerbung nutzen.
Ich gespannt, wie das alles weitergeht und wir unterstützen natürlich Kay Macquarrie bei seinem Einsatz.
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Gekackt von Dirk am 8. November 2008 um 06:04 Uhr.
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Stichworte: barrierefrei, fliegen, menschen, toiletten, unterstützung











Ich habe mitgezeichnet!
Ich natürlich auch!
Liebe Britt, lieber Dirk
vielen Dank für die Veröffentlichung und die Mitzeichnung!
Es freut mich, dass Ihr auch die kritische Stimme eines Flugbegleiters gefunden habt. Ich selber glaube, dass die Probleme halb so groß sind, wie von dem Purser befürchtet: es heißt ja nicht automatisch, dass nur weil auf einmal ein Bordrollstuhl vorhanden ist und eine zugängliche Klokabine, dass nun jeder Rollstuhlfahrer auf jedem Kurzstreckenflug kacken muß.
Vielmehr geht es um die Gewissheit, dass wenn’s dringlich wird, ein Bordrollstuhl zur Verfügung steht und man auf Klo kommt! Es ist vergleichbar mit einem Glas Wasser, welches man sich nachts an sein Bett stellt. Meist braucht man es nicht. Steht es jedoch mal nicht da, wacht man auf und hat unter Garantie Durst!
@ Britt und Dirk - vielen Dank fürs Veröffentlichen und Mitzeichnen!
@ Purser
Es geht übrigens nicht darum, dass jeder Passagier, der oder die einen Bordrollstuhl angemeldet hat, diesen auf einem kurzen Flug auch wirklich benutzt! Vielmehr geht’s um die Gewissheit, im Notfall einen da zu haben. RollstuhlfahrerInnen müssen nicht zwangsläufig jede Stunde einmal aufs Klo!
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