Guano: Aus Scheiße wurde Gold

Guano war Mitte des 19. Jahrhunderts neben Zucker, Rum, Baumwolle, Tabak und Indigo eines der bedeutensten Importgüter der industriellen Länder Europas. Dabei wurde Guano sowohl als Dünger in der Landwirtschaft (weil sehr stickstoff- und phosphorsäurehaltig) als auch zur Sprengstoffherstellung verwendet. Aber was ist an Guano so besonders, dass es im Kackblog Erwähnung findet? Ganz einfach: Guano besteht hauptsächlich aus den Exkrementen von Seevögeln wie Pinguinen, Pelikanen und Kormoranen (deshalb auch Guanokormoran). Gefördert wurde er in Peru, Chile, Bolivien, den pazifischen Inseln und in Westafrika. Also in regenarmen Regionen, in denen der Vogelkot liegen blieb und über viele Jahrhunderte zu riesigen Vorkommen anwuchs.


[gemeinfreies Bild ohne Urheberrecht]

Ein Vogel alleine kotet täglich nur ca. 43 Gramm. Bei großen Vogelkolonien mit 20 Millionen Vögeln kommt da aber einiges zusammen. Auf den Pinguininseln Namibias wurden in den 1840er bis in die 1930er Jahre mehrere Tonnen Guano jährlich abgebaut. Dabei kann auf Inseln mit vielen Vögeln die Guanoschicht sehr dick werden. 1844 fand man auf der Insel Ichaboe (Namibia) eine Schicht von 9 bis 12 Metern Dicke. Kein Wunder, dass da einigen Geschäftsleuten die Augen leuchteten und die wirtschaftliche Ausbeutung ihren Lauf nahm. Alleine auf Ichaboe wurden innerhalb eines Jahres rund 300.000 Tonnen Guano abgebaut. Wiedermal ein Beispiel, wie geldgierige Geschäftsleute aus Scheiße Gold machten.

Und Guano kam bei den europäischen Landwirten hervorragend an. War es doch sehr viel ertragsreicher als der Stallmist, der vorher auf den Feldern ausgestreut wurde. Von 300 %-igen Zuwächsen war die Rede und von einem ersten fatalen Unfall: Ein Bauer schluckte beim Abfüllen des Düngers vom staubigen Guano. Abends klagte er über Halsweh, am Tag darauf stellte der Arzt innere Blutungen fest, 48 Stunden später war er tot. Die ätzende Eigenschaft von Guano sollte mit Vorsicht eingesetzt werden. Und auch für die Arbeiter, die den Mist abbauten, war es ein stinkender und vor allem gesundheitsgefährdender Job. Deshalb schickte die peruanische Regierung Strafgefangene auf die Guanofelsen.

Im Jahr 1861 wurden aus Peru 367.667 Tonnen stinkendes Guano nach Europa verschifft. Der Handel lief ausschließlich über britische Geschäftleute. Und auch US-amerikanische Landwirte sehnten sich nach dem Dünger, doch die Regierung, die anfangs den Segen der Vogelexkremente total verschlafen hatte, ging bei Rabattverhandlungen mit den Guanohändlern leer aus. Also entschied der US-Kongress 1856, als er den Guano Act verabschiedet: “Wo immer ein Bürger der Vereinigten Staaten ein Vorkommen von Guano entdeckt, sei es auf unbewohnten Inseln oder den ihnen vorgelagerten Felsen, darf er diese im Namen des amerikanischen Präsidenten in Besitz nehmen.” Die Folge waren eine Welle von Expeditionen, die jede noch so kleine Insel nach Guanovorkommen erforschten. Innerhalb kürzester Zeit machten sie 94 Inseln aus, auf denen profitable Vorkommen lagerten. Auf 24 davon begann daraufhin das große Graben, obwohl einige Inseln unter niederländischer, britischer, spanischer und französischer Flagge geführt wurden. Aber bevor die diplomatischen Einzelheiten geklärt werden konnten, waren schon 55.000 Tonnen Guano abgetragen und verschifft.

Und wer weiß, wo das alles noch geendet hätte, wären da nicht zwei deutsche Wissenschaftler gewesen. Fritz Haber und Carl Bosch entwickelten ein Verfahren, mit dem sie Dünger synthetisch herstellen konnten. Das Ammoniak war geboren und wurde 1910 vom Chemiekonzern BASF zum Patent angemeldet. Der Wettlauf um den Guano war beendet.

Aber auch ohne BASF wäre die Aufregung um den Vogelkot bald zuende gewesen. Es war nämlich fast nichts mehr davon übrig. In wenigen Jahrzehnten wurde gesprengt, abgetragen, verschifft und gedüngt, was in Jahrtausenden gewachsen ist. Und damit wurden auch die dort ansässigen Vogelarten dezimiert. Der Humboldt-Pinguin zum Beispiel gräbt seine Nisthöhle in Guanohänge und wurde durch den Raubbau zunehmend bedroht.

Und auch heute noch steht Guano hoch im Kurs, aber mit einer wesentlich sanfteren Methode des Abbaus. In Namibia stehen riesige Pfahlbauten im seichten Meerwasser, die von den Kormoranen dankend als Brutplätze angenommen werden. Sind die Küken flügge und verlassen mit ihren Eltern die Brutstätte, rücken die Menschen an und kratzen den Kot runter, um ihn national zu verkaufen. Das schadet den Vögeln nicht, Namibia hat hochwertigen und günstigen Dünger und alle sind zufrieden.

Das Wort Guano leitet sich aus der Sprache Quechua her und über das Spanische wurde es ins Deutsche entlehnt. Übrigens sprachen auch die Inka eine Variante des Quechua.

Quelle: mare No. 53 und Wikipedia

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Gekackt von Dirk am 6. November 2008 um 06:18 Uhr.
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Es wurden schon 5 Kommentare gekackt.

  1. Günter kackte am 06.11.2008 um 06:31 Uhr:

    Ich sags ja immer, (über) Scheisse zu reden kann wirklich interessant sein
    ….und lehrreich.

  2. Sven kackte am 06.11.2008 um 22:48 Uhr:

    Dirk, jetzt sag mir bitte auch noch, wo der Name der Band “Guano Apes” seinen Ursprung hat :twisted:

  3. Dirk kackte am 07.11.2008 um 08:45 Uhr:

    @Sven: Leider gibt es zum Bandnamen der Guano Apes keine tolle Story. Die haben sich das einfach bei einer Party ausgedacht. Fertig.

    “Den Namen (Apes heißt Affen, Guano ist ein Dünger) erfanden sie bei einer WG-Fete, die ersten Lieder probten sie in einem ehemaligen Hühnerstall.”
    Quelle: http://www.guanoapes.org

  4. Sven kackte am 07.11.2008 um 13:22 Uhr:

    @Dirk: da habe wir es doch – Hühnerstall ist der Schlüssel. Und die habe sich dort aufgeführt wie die Affen. :mrgreen:

  5. Rosetta kackte am 07.11.2008 um 14:28 Uhr:

    Also der Boden bei uns im Hühnerstall sah auch aus wie Guano. Schicht für Schicht lecker. Die Hühner waren glücklich!

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