Gelsenkirchener Kloforschung

Wer in der Fachhochschule Gelsenkirchen zur Toilette geht, bleibt nicht unbemerkt. Prof. Mete Demiriz (Foto) vom Fachbereich Ver- und Entsorgungstechnik hat gleich neben seinem Büro die Kommandozentrale der Sanitäranlagen eingerichtet. Von hier aus hat er alles im Blick. Indirekt selbstverständlich.

Seine Studenten und er können auf Schalttafeln und Zählern die Benutzung der sanitären Anlagen genau beobachten. Und das sogar für jedes einzelne Klo, Pissoir und Waschbecken, die alle über Sensoren und Datenkabel mit einem Computer vernetzt sind. 32 Schüsseln und 16 Waschtische. Wasserverbrauch, Benutzungshäufigkeit und selbst die Länge von Sitzungen werden dokumentiert.

“Wir haben schon manches Muster feststellen können”, berichtet Demiriz. So befand sich jemand 20 Sekunden in einer Kabine auf der Herrentoilette, ließ anschließend kurz das Wasser am Waschbecken laufen, ging wieder zurück zum Klo, um 30 Sekunden später erneut das Wasser laufen zu lassen. Erst dann folgte eine 20-minütige Verweildauer auf der Toilettenbrille. Die Studenten haben lange überlegt: Der Benutzer zog erst Papier von der Rolle, befeuchtete es, säuberte die Brille, wusch sich die Hände und nahm schließlich Platz.

Diesen Aufwand betreibt der Fachbereich auch im Auftrag von Sanitärunternehmen: Zum Beispiel testeten die Studenten die Hygiene von Urinalbecken mit Trockenspülung. “Der Urin fließt einfach ab, ohne Wasserspülung. Dafür gibt es in der Leitung einen luftdichten Verschluss”, erklärt Demiriz. Hersteller versprachen bis zu 8000 Benutzungen, bevor Geruch entsteht und nachgespült werden muss. Eine Aussage, die es zu überprüfen lohnte. Dafür eignete sich die bestfrequentierte Toilette der FH, direkt unter der Mensa. Das Ergebnis: Gerade 2000 Pinkler brauchte es, bevor der Geruchsverschluss durch Urinstein verstopfte. Das Unternehmen hat aufgrund des Tests das Produkt optimieren lassen.

Auch sehr interessant: Eine Stichprobe ergab, dass sich 17 Prozent der Herren anschließend nicht die Hände wuschen. Bei den Damen ging jede dritte am Wasserhahn vorbei.

Quelle: buerpott.de, Publikation der Online-Redaktion des Instituts für Journalismus und Public Relations an der Fachhochschule Gelsenkirchen

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