Erste öffentliche Toilette vor 170 Jahren in Paris eröffnet
Oha, da wurde vor 170 die erste öffentliche Bedürfnisanstalt in Paris eröffnet und wir haben das große Jubiläum überhaupt nicht mitbekommen. Aber unserem treuen und vor allem aufmerksamen Leser Martin B. ist das nicht entgangen. An dieser Stelle vielen Dank an Martin!
Also fassen wir mal kurz zusammen:
Im 17. Jahrhundert (und auch in den Jahrhunderten davor) stank es in den Städten ganz erbärmlich. Uriniert und gekotet wurde einfach an die nächste Hausecke. Hygiene spielte (noch) keine Rolle. Außer bei gut betuchten Familien, die bereits über Hocktoiletten in Form thronähnlicher Stühle verfügte, die regelmäßig vom Personal geleert wurden. Für Frauen galt es als unschick, mehr als einmal am Tag zu kacken. Das war einfach so.
Jedenfalls fragte bereits 1670 ein Pariser Bürger den damaligen Sonnenkönig Ludwig XIV. an, ob er nicht eine große Anzahl von Leibstühlen in der Stadt aufstellen könne. Dafür sollen die Bürger auch eine Kleinigkeit zahlen. Aber erst König Ludwig XV. ließ an großen Pariser Straßenkreuzungen Pinkeltonnen aufstellen. Das entsprach zwar nicht ganz dem Wunsch des Pariser Bürgers, aber immerhin. Blöd war dabei nur, dass die Tonnen erst geleert wurden, wenn sie voll waren. Und das Geruchsproblem war damit nicht beseitigt.
Eine erste hygienische Vorrichtung zur Verrichtung schuf der Herzog von Orléans: Er ließ in seinem Palais Royal zwölf Aborte aufstellen, die von Personal regelmäßig gereinigt wurden. Das Personal war auch täglich damit beschäftigt, Papierstücke in eine arschgerechte Größe zu schneiden.
Die Industrialisierung und damit einhergehende Verstädterung ließ große Städte noch größer werden und den Gestank in den Gassen noch unerträglicher. Am 19. Juli 1839 wurden in Paris dann endlich sogenannte “Pissotiere-Säulen” errichtet, die ausschließlich Männern zum stehenden Geschäft dienten. Die Sache mit den Frauen und nur einmal am Tag auf Toilette war immer noch in. Erst 1902 wurden auch für sie rund ein Dutzend “Notdurft-Chalets” in der Stadt eingerichtet. Zu diesem Zeitpunkt gab es für die Männer bereits 1.600 öffentliche Pissoirs.
Zwischendurch gab es ja auch mal den Beruf der Abtrittanbieterin, die mit Eimer und großem Umhang bekleidet durch die Gassen zogen und mobile Toilette spielten. Aber diesem Thema hatten wir schonmal einen eigenen Artikel gewidmet: Die Abtrittanbieterin.
Heute gibt es in Paris unzählige öffentliche Toiletten und bei meinem letzten Besuch in der Stadt der Liebe fiel mir auch kein unangenehmer Fäkalgeruch auf. Dieses Problem hat mal also mittlerweile im Griff.
via www.wdr.de/themen/kultur/stichtag/2009/07/19.jhtml
Gekackt von Dirk am 22. Juli 2009 um 06:12 Uhr.
Stichworte: 17. jahrhundert, 18. jahrhundert, 19. jahrhundert, historisch






Hahaha, so viele alte Klos! Und alle gehören mir allein!
LG Paris with love
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