Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm
KACKEN, cacare, aber mit milderem klang als das lat. wort und scheiszen, mehr ein wort der kinderstube (vgl. kackstülin) oder des humors, ziemlich wie pissen neben seichen, s. das vor.: in die hosen kacken; vor hunger nicht kacken können (brem. wb.), von äuszerster not. es ist vor dem 16. jh. nicht bezeugt (doch vgl. kacker): ich kack, caco ALBERUS, mit dem beispiel weil er in die tauf gekackt hatt.
LUTHER braucht es: aber solche klugheit ist eben (so) als wenn ich spreche (spräche), gott kan nicht leben, denn er iszt und trinket nicht, kacket und bisset nicht. 8, 24b, vgl. sein bekacken. dann bei STIELER 906, als onomatop. angesehen: ‘a sono confictum est, unde Latinorum cacare’ (nach der patriotischen neigung seiner zeit, das lat. aus dem deutschen abzuleiten), mit redensart ich wil dir was kacken (derbe abweisung) ’satis pro imperio’, und vielen zusammensetzungen, bekacken, auskacken u. s. w. in SCHILLERS ‘Bacchus im triller’ (anthol. 1782, Bülows ausg. s. 19), vom zustand eines im drillhäuschen (s. d.) gedrillten:
dasz uns nacht ums auge grauste …
dasz wir vor dem ohrgebrümmel
nimmer (nicht mehr) gottes blauen himmel,
nimmer sahen stock und steine,
kackten auf die lieben beine.
das k wird gelind gesprochen, wie auch FRISCH 1, 495c. 499c angibt, daher auch gacken RÄDLEIN 520a, und oberd.: östr. gagarln CASTELLI 135, kärnt. gaggn, tir. gagkn, gagkln, bair. gägkeln (vergägkeln besudeln, vgl. bescheiszen 2), schweiz. gägga TOBLER 209a, gaggen, gaggeln STALD. 1, 82 (auch giggerlen 445), alles in der kindersprache. beim nd. kakken aber wird diese beschränkung nicht angegeben, s. bes. das brem. wb. 2, 720 mit reichlichem gebrauch, LAUREMBERG 3, 196, als pöbelwort DÄHNERT 214b (auch CAMPE ‘eins der schmuzwörter, deren gesittete menschen sich enthalten’), doch auch bei STÜRENBURG 101 ‘nur von menschen, besonders kindern’; aber kackhûs abtritt DANNEIL 93b. jene beschränkung gilt auch nicht beim dän. kakke, engl. cack, nl. kakken (KIL. kacken).
So denkbar es wäre, dasz man neben dem uralten scheiszen das lat. wort als mehr verhüllenden ausdruck entlehnt hätte, etwa aus der schülersprache, scheint es nach dem unter kack und besonders unter aa 1, 5 beigebrachten doch nicht so, es scheint ein altgemeinsames wort, das der verschiebung entgieng: gr. κακκαω, lat. cacare, kelt. cacha, lit. szikti (sz = k); it. cacare, span. cagar, franz. faire caca; böhm. kakati, poln. kakać, wend. kekać, slov. kakati, kekati von kindern, ungr. kakálni. merkwürdig altn. isl. kûka cacare, mit kûkr m. merda. Ein drittes altes wort ist nd. drîten Claws bûr 683, FROMM. 3, 260, nrh. drieszen (DIEFENB. gl. stercorare), auf der Eifel dreuszen SCHMITZ 1, 223b (dreusz m. kack), ags. drîtan, altn. drîta, davon engl. dirt dreck, nd. drîte KUHNS zeitschr. 2, 202, altn. isl. dritr m. kacke; es ist starkformig, hängt damit nicht verdrieszen ekeln zusammen? und ist dreck etwa zu dritr zu stellen nach auslautwandel?
Quelle: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960. — Quellenverzeichnis 1971.
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Gekackt von Dirk am 12. November 2007 um 16:21 Uhr.
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Stichworte: historisch, kacken, sprache





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