Früher war alles besser!
Es war 1896 und in deutschen Großstädten zeichnet sich die Blütezeit öffentlicher Bedürfnisanstalten ab. Die Kabinen hießen damals noch “Zellen”, es gab dieselbigen in zwei Klassen und die Wärterinnen hatten sich gegenüber dem verkehrenden Publikum anständig zu benehmen. Die guten alten Zeiten! Nix mit vollautomatischer City Toilette. Stattdessen gibt es Plakate mit Regeln:

Die Wärterin ist verpflichtet:
- Jedem Besucher in bescheidener Weise die gewünschte Zelle zur Benutzung anzuweisen,
- gegen Empfang des in dem am Eingange befindlichen Tarif bezeichneten Eintrittspreises eine Quittung darüber zu übergeben, welche beim Verlassen der Anstalt mitzunehmen oder zu vernichten ist,
- die Zellenthür während der Benutzung stets zu schließen,
- die Anstalt, besonders die Toiletten, Becken und Sitzbretter stets in reinem Zustande zu erhalten, auch auf Verlangen des Besuchers vor seinen Augen nochmals zu säubern.
Sollten die geehrten Besucher durch ungebührliches Benehmen der Wärterin, durch Unsauberkeit oder in sonstiger Weise incommodirt (belästigt) werden, so wird gebeten, dies unter Namen- und Wohnungsangabe zu melden im Stadtbauamt hierselbst.

Das Publikum ist verpflichtet:
- Sich in den öffentlichen Bedürfnisanstalten anständig und bescheiden zu benehmen.
- Es ist verboten, die Zellen zu verunreinigen, die Wände zu beschmieren und sich auf die Aborte zu stellen.
- Die Gebühr für Benützung der Anstalt beträgt bei Inanspruchnahme der 1. Klasse 10 Pfennig, 2. Klasse 5 Pfennig und wird vor Eintritt in die Zelle erhoben.
- Bei Inanspruchnahme der 1. Klasse ist der volle Betrag von 10 Pfennig auch dann zu bezahlen, wenn die Waschtoilette nicht benützt wurde.
- Die Zellenthüre ist während der ganzen Dauer der Benützung geschlossen zu halten. Die Eintrittsgebühr wird so oft erhoben, als die Zellenthür geschlossen wird.
- Den Anordnungen der Wärterin ist Folge zu leisten.
Plakate: Stadtarchiv München, Anrüchig, Bedürfnisanstalten in der Großstadt
Gekackt von Britt am 8. Mai 2009 um 05:59 Uhr.
Stichworte: 19. jahrhundert, historisch, klofrau, verhalten
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Hm, was ist denn der Unterschied zwischen der 1. und 2. Klasse? Weicheres Klopapier? Oder größere Zellen?
Interessant ist, dass man während der Benutzung die Tür nicht aufmachen darf – sonst kostet es doppelt *g* Also nix für geizige Spanner
Ich frage mich, wie Leute auf die Idee kommen, sich auf die Klobrille zu stellen. Das soll es recht häufig geben. Und ich sehe oft Schuhabdrücke auf Klobrillen. Was um Himmels Willen machen die da oben?
@Damaris: Ich hab mal nachgelesen … Der Unterschied liegt tatsächlich in der Größe der Zellen. In der geräumigen 1. Klasse finden die Besucher zusätzlich einen eigenen Waschtisch und einen Wandspiegel vor. In der 2. Klasse gibts nur das Klo, das Waschbecken ist dann draußen.
@Patricia, das machen die, die lieber hocken statt sitzen. Wobei ich (wenn ich hocke) trotzdem die Füße auf dem Boden lasse. Dann pinkle ich mir auch nicht auf die Stiefel. ;-)
Danke für die Erklärung, Britt! :-)
@Patricia&Britt
ich glaube, das ist auch was kulturelles… es gibt länder, die haben die sogenannte hocktoilette… vielleicht ist den leuten, die sowas gewöhnt sind, eine sitztoilette zu unhygienisch… ?!
In Tiro – Aceh – Sumatra – Indonesien. Tiro ist ein kleines Dorf dort gibt es keine Toilette ABER wenn es dunkel ist (und auch nur dann) gehen die Männer an den Fluß der durch Tiro fließt. Dort liegt immer eine kurze Hose bereit, die zieht man an , dann geht man in den Fluß und dann kann man kacken. Dort ist auch immer mächtig was los wenns dunkel ist. Mann steht da quatsch , schaut den anderen beim kacken zu und wartet bis man an der Reihe ist. Wenn man fertig ist läuft man Händchen halten mit einem Mann (ist dort so üblich Mann/Mann oder Frau/Frau) zurück zur Hütte . OHNE SCHEISS echt wahr ich habs gemacht. Andere Länder andere Sitten. Der Hintergrund ist : wenn jeder überall hinscheisst hat man schnell Probleme mit der Hygiene. Die Fische freuts……
Aha! Und … äh … wozu die Hose?
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